Bach in Hamburg: tief beeindruckt

Knapp zehn Stunden hat er für den Fußmarsch von Lüneburg nach Hamburg gebraucht, in die erste wirklich große Stadt, die der 16-Jährige zu sehen bekommt. 

Johann Nicolaus Forkel, Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke, Leipzig 1802, Titelseite. Quelle: Yale University Library

Im Jahr 1701 reist der Lüneburger Lateinschüler Johann Sebastian Bach mit großen Erwartungen in die Hansestadt. Schon bald nachdem er das Deichtor passiert hat, fragt er nach St. Katharinen, seinem wichtigsten Ziel. Dort will er die berühmte Orgel hören und vor allem Johann Adam Reincken, einen Star unter den Organisten seiner Zeit. Bald darauf betritt er die unweit des Hafens gelegene Kirche für ein Erlebnis, das er nie wieder vergessen wird. Der Teenager aus Thüringen hat im Mittelschiff Platz genommen und wartet. Er wendet sich um und betrachtet den prächtigen, mit Schnitzereien und Figuren reich geschmückten Prospekt der Orgel, die freilich noch stumm ist. Dann endlich sieht er einen recht alten Mann, der langsam und gebückt die Treppe hinaufgeht, die zum Spieltisch führt. Einen Moment noch, dann wird der Raum von einem Klang erfüllt, wie ihn Johann Sebastian Bach nie zuvor gehört hat. Und es ist nicht nur der fast übernatürlich schöne Klang der Orgel, der den Jugendlichen tief beeindruckt, sondern auch die Improvisationskunst von Johann Adam Reincken. Nein, so weit ist er selbst noch nicht, aber genauso will er später Orgel spielen, am liebsten auf einem so großartigen Instrument. Reincken wird den jungen Zuhörer zunächst kaum wahrgenommen haben. Er ist schon 58 Jahre alt und sein Renommee ist so groß, dass er nicht nur ein Spitzengehalt kassiert, sondern seine Vorgesetzten davon überzeugt hat, seine Stelle an St. Katharinen von zusätzlichen bürokratischen Aufgaben zu entlasten: Für die ursprünglich mit der Tätigkeit als Organist verbundene Aufgabe des Kirchenschreibers wird 1667 eine zusätzliche Stelle geschaffen. So kann sich Reincken ganz seiner Kunst widmen. 

Text: Matthias Gretzschel


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Johann Adam Reincken: Orgelfantasie über „An Wasserflüssen Babylon“.
Abschrift von Johann Sebastian Bach.
Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar (frühste Notenhandschrift Bachs, in neuer deutscher Orgeltabulatur).

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