01. Sep

Hamburger Orgelsommer in St. Michaelis: Jörg Endebrock

Abschlusskonzert

André Raison: Offerte du 5ième ton
Johann Mattheson: Suite Nr. 1 d-Moll
Charles-Marie Widor: Symphonie für Orgel Nr. 6 g-Moll op. 42, 2

Jörg Endebrock (Foto: Michael Zapf)

Im Frankreich Ludwigs des XIV. war die Gesundheit des Monarchen keine Privatsache und wurde durchaus öffentlich inszeniert. Als der König im Jahre 1687 an einer schmerzhaften und gefährlichen Fistel litt, nahm sein Volk lebhaft Anteil. Die erfolgreiche Genesung des Königs wurde dann mit einem Empfang im Pariser Rathaus und einem Gottesdienst in der Kathedrale Notre-Dame gefeiert. Zu diesem Anlass komponierte André Raison seine „Offerte“, ein durchaus kurioses Werk, das mit einer frischen Feierlichkeit für sich einnimmt. Am Ende sind die Akklamationen „Vive le Roy“ in die Komposition eingeflochten.
Der Name Johann Mattheson ist untrennbar mit dem Hamburger Michel und seiner Orgel verbunden. Mattheson führte ein außergewöhnliches und fruchtbar-kreatives Leben: Frühe Berühmtheit erlangte schon der Jugendliche als Sänger an der Oper am Gänsemarkt, wo er bald darauf auch als erfolgreicher Opernkomponist hervortrat. Später wurde Mattheson im Hauptberuf Sekretär des Englischen Gesandten in Hamburg und verfasste eine Vielzahl von musiktheoretischen Schriften und gab die ersten musikalischen Zeitschriften heraus. Ab 1718 hatte er zusätzlich die Stelle des Kantors der Hamburger Domkirche inne, bis er diese Tätigkeit wegen seiner Ertaubung aufgeben musste. Als die Hauptkirche St. Michaelis im Jahr 1750 abbrannte, verpflichtete sich der äußerst wohlhabende und kinderlose Mattheson, sein gesamtes Vermögen für die neue Orgel der bald neu errichteten Kirche zur Verfügung zu stellen. Als er kurz nach Einweihung von Kirche und Orgel starb, erhielt er als Dank ein Grab in der Krypta direkt unter der Kanzel „zu ewigen Zeiten“. Die Suite in d-Moll ist eigentlich für das Cembalo geschrieben und legt deutliches Zeugnis davon ab, wie beliebt und einflussreich die französische Musik auch im Norden Deutschlands war.
Die Komposition der 6. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor dürfte unmittelbar durch die bevorstehende Einweihung der neuen Cavaillé-Coll-Orgel im Großen Saal des Palais du Trocadéro in Paris veranlasst worden sein. Am 24. August 1878 gab Widor während der Pariser Weltausstellung an diesem neuen, imposanten Instrument ein Konzert, in dessen Rahmen er die Symphonie erstmals aufführte.
Das eröffnende Allegro zeigt Widor auf der Höhe seiner kompositorischen Meisterschaft und verbindet auf brillante Weise Sonatenhauptsatzform und Variationssatz. Auf das majestätisch-choralartige erste Thema folgt ein Rezitativ-Abschnitt, der im Verlauf des Satzes auf verschiedene Weise mit dem Choralthema kombiniert wird. Im August 1876 erlebte Widor in Bayreuth die Premiere von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Wie Albert Schweitzer überliefert, ist der 2. Satz, das Adagio in H-Dur unter dem Eindruck dieser Aufführung entstanden. Vokal empfundene Melodik und sinnliche Chromatik zeichnen den dreiteiligen Satz aus, was durch die Ausgangsregistrierung mit „Gambes et Voix célestes“ noch unterstrichen wird. Das im Geiste Robert Schumanns komponierte dreiteilige Intermezzo in g-Moll nimmt die Position des Scherzos ein. Im Cantabile zeigt sich Widors melodische Erfindungsgabe. Das elegante, weit ausschwingende Hauptthema wird auf der Oboe vorgestellt; nach einem kurzen Mittelteil erklingt es ein zweites Mal, nun von fließenden Sextolen umspielt. Das Finale, ein Sonatenrondo, ist durch zwei thematische Hauptideen bestimmt, wobei das erste Thema von kraftvollen Akkorden, das zweite durch Ketten fallender verminderter Quarten geprägt ist. Die thematische Entwicklung des Stücks stützt sich hauptsächlich auf die zweite Idee, bevor die Reprise noch einmal thematisches Material des Beginns verarbeitet und zu einer stürmischen Coda überleitet.

Jörg Endebrock


Jörg Endebrock wurde Anfang 2020 als Kantor und Organist an die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis berufen und leitet dort mit dem Chor St. Michaelis einen der renommiertesten Chöre Norddeutschlands. Neben der Pflege eines breiten Repertoires von Monteverdi bis Martin setzt er mit den jährlichen Aufführungen des Weihnachtsoratoriums, der Matthäuspassion von Bach und des Brahms-Requiems lange Hamburger Traditionen fort.
Endebrock wurde 1970 in Osnabrück geboren und studierte ev. Kirchenmusik (A) in Hamburg sowie Orgel als Stipendiat des „Deutschen akademischen Austauschdienstes“ in Paris bei Susan Landale. Im Jahr 1999 schloss er das Aufbaustudium mit einem „Prix d´éxcellence“ sowie einem „Prix de virtuosité avec félicitations“ ab.
Er war Preisträger bei den Internationalen Orgelwettbewerben von Haarlem sowie Paris. Schon während seiner Studienzeit sammelte er wichtige Erfahrungen in renommierten Chören, u. a. im Chor des NDR. Von 1999 bis 2008 war er Kantor der Christuskirche Freiburg, von 2008 bis 2019 verantwortete er die vielfältige Musik an der Lutherkirche Wiesbaden und leitete den Bachchor Wiesbaden.
Als Konzertorganist übt er eine rege Konzerttätigkeit in Deutschland und seinen europäischen Nachbarländern aus. Rundfunkaufnahmen beim NDR, SWR, Deutschlandradio und bei Radio France sowie zahlreiche CD-Einspielungen runden das Bild seiner künstlerischen Tätigkeit ab.

Veranstaltungsort
Hauptkirche St. Michaelis
Englische Planke 1
20459 Hamburg
Datum
Mittwoch, 01. September 2021
Uhrzeit
19.00 Uhr
Ticketinfo
Karten: € 10,00 (zzgl. Vorverkaufsgebühr) - Ermäßigungen an der Abendkasse
Zusatzinformationen
Unnumerierte Plätze.

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