25. Aug

Hamburger Orgelsommer in St. Michaelis: Peter Van de Velde

Carl Philipp Emanuel Bach: Sonata A-Dur W. 55/4
Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge e-Moll BWV 548 (Fassung von Karl Straube)
Naji Hakim: Sinfonia in honore sancti Ioannis Baptistae
Camille Saint-Saëns: Poco Adagio aus der Sinfonie für Orchester und Orgel op. 78, arrangiert für Orgel solo von Emile Bernard
Marcel Dupré: Prélude et Fugue en si-majeur op. 7 Nr. 1

Peter Van der Velde (Foto: privat)

Carl Philipp Emanuel Bachs Orgelsonaten stehen immer noch im Schatten des „übermächtigen“ Vaters. So schrieb etwa der Bach-Biograph Forkel fast entschuldigend: „Diese Orgel-Solos sind für eine Prinzessin gemacht, die kein Pedal und keine Schwierigkeiten spielen konnte, ob sie sich gleich eine schöne Orgel mit zwei Clavieren und Pedal machen ließ und gerne darauf spielte.“ Die Pedallosigkeit der Werke dürfte allerdings weniger an den fehlenden Fähigkeiten der Prinzessin Amalia von Preußen gelegen haben, sondern am Wandel des Musikgeschmacks, und auch die technischen Anforderungen sind durchaus beträchtlich. Kennzeichnend für den Stil des zweitältesten Bach-Sohnes ist der häufige, oft abrupte Wechsel der Affekte. Sein wichtigstes Anliegen war ein starker Gefühlsausdruck. Der Interpret sollte aus der Seele oder aus der Empfindung heraus die Finger gleichsam „reden“ lassen, um die Zuhörer „in Leidenschaft zu versetzen“.
Das gewaltige Werkpaar „Präludium und Fuge e-Moll“ BWV 548 zählt zu den späten großen Orgelwerken Johann Sebastian Bachs, entstanden vermutlich um das Jahr 1730, als Bach im Zenit seiner Kompositionskunst stand. Souverän werden hier die Gattungen „Präludium und Fuge“ und „Konzert“ miteinander verschmolzen. Vor allem die Fuge überrascht durch äußerst virtuos-konzertierendes Laufwerk, das einzigartig sogar in Bachs Orgelwerk dasteht. Schon Bachs Biograph Philipp Spitta erkannte Ende des 19. Jahrhunderts, „dass die hergebrachten Bezeichnungen nicht mehr ausreichen“, so dass man das Werkpaar „eine zweisätzige Orgelsymphonie nennen müsste, um unsrer Zeit eine richtige Vorstellung von ihrer Größe und Gewalt nahe zu legen“. Der berühmte Thomasorganist Karl Straube richtete Bachs Werke Anfang des 20. Jahrhunderts für die orchestralen Großorgeln seiner Zeit ein, wobei der symphonische Charakter dieses Werkes noch einmal besonders unterstrichen wird.
Die Orgelsinfonie „zu Ehren Johannes des Täufers“ des französisch-libanesischen Organisten Naji Hakim entstand im Jahr 1997 für die „Church of St. John the Baptist“ in Newcastle/England. Ihr liegt folgendes Programm zugrunde:
1. Satz: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn!“ (Lukas 3, 4)
Variationen über den gregorianischen Hymnus zu Ehren Johannes des Täufers „Ut queant laxis“.
2. Satz: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“ Johannes 1, 29
Der Satz basiert auf einem baskischen „Agnus Dei“.
3. Satz: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ Matthäus 2, 11
Dieses Finale basiert auf demselben baskischen Agnus Dei und ist ein fröhlicher „Feuertanz“, der einen eher kontemplativen, ätherischen Mittelteil über den Geist der Liebe umrahmt.
Camille Saint-Saëns war zweifellos der vielseitigste französische Komponist seiner Zeit. Wenig bekannt ist, dass er fast 20 Jahre lang als Organist an der Pariser „Madeleine“-Kirche wirkte. Es ist bedauerlich, dass er trotzdem vergleichsweise wenige Kompositionen für „sein“ Instrument hinterlassen hat. Besonders ins Zentrum gerückt hat er das Instrument allerdings in seiner berühmten 3. Sinfonie, die den Beinamen „Orgelsinfonie“ trägt, obwohl die Orgel nur in zwei der vier Sätze zum Orchester hinzutritt, dem Werk dadurch aber eine große Feierlichkeit verleiht. Das elegische und erhabene „Poco adagio“ aus dieser Sinfonie erklingt heute in einer Transkription für Orgel solo.
Vor 50 Jahren verstarb mit Marcel Dupré einer der prägendsten Organisten-Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er drückte als Virtuose, Komponist, Lehrer, Musikschriftsteller und Herausgeber einer ganzen Epoche seinen Stempel auf. Die Kennzeichen seiner Kunst waren technische Perfektion und eine außerordentliche Fähigkeit zur freien Improvisation, die ihre Wurzeln in einer fundierten Kenntnis des Gregorianischen Chorals, der Harmonielehre und des Kontrapunkts hatte. Die drei Präludien und Fugen op. 7 machten den jungen Dupré im Jahr 1912 schlagartig berühmt und zählen noch heute zu seinen meistgespielten Werken. Das Präludium H-Dur ist typisch für die Gattung der französischen Orgeltoccata. Schnelle, glockenähnliche Figuren in den Manualen umhüllen das majestätische Thema, das zuerst im Pedal erklingt und später ins Manual wandert. Das komplexe Thema der Fuge ist direkt aus den glockenhaften Figuren des Präludiums entwickelt.

Jörg Endebrock


Peter Van de Velde studierte Orgel an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen und am Königlichen Konservatorium Antwerpen. Er erhielt zahlreiche erste Preise und beendete sein Studium 1996 mit dem Meisterdiplom für Orgel als letzter Schüler von Stanislas Deriemaeker. Ergänzend besuchte er Meisterkurse u. a. bei Louis Thiry, Hans van Nieuwkoop, Naji Hakim und Wayne Marshall.
Anfang 2002 wurde Peter Van de Velde zum Titularorganist der Liebfrauenkathedrale von Antwerpen ernannt und spielt dort auf der romantischen Schyven-Orgel (1891) als auch auf der klassischen Metzler-Orgel (1993). Darüber hinaus ist er Organist an St. Michael in Antwerpen und Organisator sowie künstlerischer Berater der Konzerte der Antwerpener Kathedrale und verschiedene Konzertzyklen in der Umgebung.
Neben seinen internationalen Konzertreisen durch ganz Europa, Japan, Canada, den USA, Ägypten und Russland ist er ein gefragter Begleiter, spielt regelmässig mit verschiedenen Orchestern große Orgelkonzerte (Poulenc, Jongen, Bach, Händel, Callaerts) und arbeitete mit Dirigenten wie Philippe Herreweghe, Edo De Waart, Peter Biloen, Muhai Tang, Yuri Simonov zusammen.
Zahlreiche Aufnahmen beim Deutschen Label „Aeolus” und Radio-Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk und Radio Vatican ergänzen sein künstlerisches Profil.

Veranstaltungsort
Hauptkirche St. Michaelis
Englische Planke 1
20459 Hamburg
Datum
Mittwoch, 25. August 2021
Uhrzeit
19.00 Uhr
Ticketinfo
Karten: € 10,00 (zzgl. Vorverkaufsgebühr) - Ermäßigungen an der Abendkasse
Zusatzinformationen
Unnumerierte Plätze.

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