14. Jul

Hamburger Orgelsommer in St. Michaelis: Sebastian Küchler-Blessing

Dieterich Buxtehude: Toccata d-Moll BuxWV 155
Johann Sebastian Bach: Concerto a-Moll nach Vivaldi BWV 593
Johann Sebastian Bach: Toccata und Fuge E-Dur BWV 566
César Franck: Choral III a-moll
Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio für Glasharmonika KV 617a
Sebastian Küchler-Blessing: Improvisation über zwei gegebene Themen

Sebastian Küchler-Blessing (Foto: privat)

Vielschichtig ist das Programm des heutigen Abends ineinander verbunden: Die prachtvolle Toccata in d BuxWV 155 von Dieterich Buxtehude ist ein geradezu idealtypisches Beispiel einer mehrteiligen norddeutschen Form. Diese war inspiriert von den wiederentdeckten rhetorischen Lehren der Antike und orientiert sich im Aufbau an deren Lehren einer guten Rede: zum einen sind einzelne Figuren gestisch gedacht und auszuführen, zum anderen sollten sich freie Abschnitte wie das anfängliche, den gesamten Tonraum vorstellende Exordium abwechseln mit streng kontrapunktisch durchgeführten Teilen. In der Propositio bzw. Narratio, hier der ersten Fuge, wird das Thema der gedachten Rede dargestellt. Ganz klassisch stellt dann eine Confutatio das eben Formulierte in Frage (musikalisch realisiert mit unvermuteten harmonischen und rhythmischen Entwicklungen), bevor eine zweite Fuge als Confirmatio die Bestätigung der Hauptthese des gedachten Redners verkörpert. Eine rauschende Conclusio schließlich setzt einen machtvollen Schlusspunkt hinter dieses grandiose Werk.
Johann Sebastian Bach galt als sehr guter Streicher, und so verwundert sein Interesse an den Instrumentalkonzerten Vivaldis nicht. Die Übertragung des Concerto a-moll aus Vivaldis L’Estro armonico („die harmonische Eingebung“), ist meisterhaft gelungen: Bach vermag es, einen „orgelgemäßen“ Satz zu schreiben und gleichzeitig die violinistischen und bei diesem hochvirtuosen Werk fast schon artistischen Aspekte in den Vordergrund zu stellen.
Etwas missverständlich ist der Titel des folgenden Werkes Toccata und Fuge E-Dur BWV 566: man erwartet dabei automatisch ein zweiteiliges Werk, in dem Präludium und Fuge ganz klar voneinander getrennt sind, so wie es bei Bachs großen Meisterwerken der späten Jahre üblich ist. Hier führt der zweiteilige Titel allerdings in die Irre: dieses vermutlich in Bachs Arnstädter Zeit entstandene Frühwerk nimmt eindeutig die überkommene norddeutsche Form auf und ist, ähnlich wie die eingangs gehörte Toccata von Buxtehude, fünfteilig – es ist, wenn man so möchte, Bachs Hommage an Buxtehude.
Wie eine Binsenweisheit klingt, dass die choralgebundenen Werke Bachs überkommene evangelische Choräle samt ihrem Text(-gehalt) vertonen. Dieses Wissen wurde nach Frankreich erst wieder eingebracht durch Albert Schweitzer, der etwa Charles-Marie Widor so einen völlig neuen Erkenntnishorizont erschloss, zu einem Zeitpunkt allerdings, zu dem César Franck längst den Folgen eines schweren Unfalls erlegen war – diesen sicheren Tod vor Augen schrieb er drei Choräle ungemeiner Ausdruckskraft, die als Hommage an Bach gedacht waren: der heute erklingende dritte Choral a-moll führt Motivik des Präludiums a-moll BWV 543 zusammen mit einem „Bach-Choral“, einem durch Franck frei komponierten Satz, der nach einer großen Cantilene in einem Finale mit großer Meisterschaft mit der anfänglichen Motivik kombiniert wird: ein Schwanengesang selten erlebter Tragik!

Sebastian Küchler-Blessing


Der Essener Domorganist Sebastian Küchler-Blessing ist seit 2014 verantwortlich für die Orgelmusik in Liturgie und Konzert an der Kathedralkirche des Ruhrbistums. Er konzertiert bis an den Ural und persischen Golf in Konzerthäusern und Kathedralen wie Elbphilharmonie und Kölner Dom sowie bei den großen Klassikfestivals. Von Publikum und Fachwelt auch als Improvisator und Kammermusiker geschätzt, ist Sebastian Küchler-Blessing Bachpreisträger des Leipziger Bach-Wettbewerbs, gewann den Mendelssohn-Preis und den 1. Preis der Internationale Orgelwoche Nürnberg. Er wurde mit dem Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und dem Arthur Waser-Preis des Luzerner Sinfonieorchesters ausgezeichnet. Von Sontraud Speidel, Christoph Bossert, Martin Schmeding und Zsigmond Szathmáry ausgebildet, wurde er von der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen-Ponto-Stiftung und der Mozart-Gesellschaft Dortmund gefördert. Bereits als Schüler wurde er in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. Sebastian Küchler-Blessing unterrichtete an der Freiburger Musikhochschule und lehrt Orgel und liturgisches Orgelspiel/Improvisation an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Im Jahr 2020 erschien unter dem Namen „Jubilissimo“ eine CD mit Werken für Blechbläser und Orgel von Enjott Schneider, zu der ein Blechbläserensemble um Reinhold Friedrich im Essener Dom musizierte.

Veranstaltungsort
Hauptkirche St. Michaelis
Englische Planke 1
20459 Hamburg
Datum
Mittwoch, 14. Juli 2021
Uhrzeit
19.00 Uhr
Ticketinfo
Karten: € 10,00 (zzgl. Vorverkaufsgebühr) - Ermäßigungen an der Abendkasse
Zusatzinformationen
Unnumerierte Plätze.

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